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Vonovia Award für Fotografie
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Mona Schulzek gewinnt Vonovia Award für Fotografie

Die Fotografin Mona Schulzek hat den mit 15.000 Euro dotierten 1. Preis beim Vonovia Award für Fotografie 2019 zum Thema „Zuhause“ gewonnen.
In ihrer Serie „Ottomane“ zeigt sie Räume, die von Orientteppichen verhüllt sind.

Kennzahlen zum Award: 

  • mehr als 4.000 Fotografien wurden von der Fachjury gesichtet. Für die Shortlist nominierte sie 33 Kandidaten und Kandidatinnen
  • mit 42.000 Euro Preisgeld ist der Vonovia Foto Award einer der am höchsten dotierten Fotopreise in Deutschland


1. Preis Vonovia Award für Fotografie Mona Schulzek

Mona Schulzek im Interview:

Welcher Gedanke steht hinter Ihrer Idee, Räume mit Teppichen auszukleiden?
Mona Schulzek: Wir haben es hier mit antiken Teppichen zu tun, die Hunderte Jahre alt sind und von Generation zu Generation weiterge­tragen wurden. Im Orient sind sie zudem Ge­ schenke für bestimmte Anlässe wie Hochzeiten oder Geburten. Die Ornamentik der Teppiche lässt sich nicht nur als visuelles Bild ästhetisch lesen – es sind auch ganze Geschichten dar­in enthalten. Als Spurenträger werden sie zu sprachlosen Zeugen.

Was haben die Teppiche mit dem Thema „Zuhause“ zu tun?
Zuhause ist für mich ein Ort des Diskurses. Wo kann man sonst frei und offen mit vertrauten Menschen reden? Und hier sah ich den direk­ten Bezug: Jeder Teppich erzählt seine eigene Geschichte, und die ausgekleideten Räume sind voll mit diesen Erzählungen. Die Teppiche haben die Vergangenheit aufgesogen – einerseits meta­phorisch, aber auch ganz real: Jede Abnutzung kann zum Beispiel Auskunft darüber geben, wie ihre Vergangenheit war.

Woher kamen all die Teppiche?
Ich habe mit einem Kölner Teppichhändler über meine Idee gesprochen, und er war sofort davon begeistert. Er hat mir dann angeboten, seine Teppiche und seine Räumlichkeiten für meine Arbeit zu nutzen. Ich konnte die Teppiche für zwei oder drei Wochen ausleihen und sie an Decken und Wänden der Filialräume mit Nägeln und einem Elektrotacker befestigen.

1. Preis Vonovia Award für Fotografie Mona Schulzek
Waren Sie nie versucht, digitale Tricks ein­zusetzen, statt echte Teppiche an Wände und Decken zu nageln oder zu tackern?
Nein, denn mir ist es extrem wichtig, der Schnell­lebigkeit meines Lebens einen langen Zyklus für mein künstlerisches Arbeiten entgegenzusetzen. Darum suche ich mir immer Projekte aus, die viel Zeit, Schweiß und Blut fordern.

Woran arbeiten Sie gerade?
Ich beschäftige mich mit Weltraumschrott, der ja manchmal vom Himmel auf die Erde fällt. Das finde ich sehr interessant, weil das Herren­lose wieder zu seinem Schöpfer zurückkommt und dessen Herkunft gleichzeitig nicht geklärt ist. Ich stelle eine Kugel her, die angeblich vom Himmel gefallen sein soll, und baue darum eine Geschichte auf. Die Betrachter*innen sollen sich nicht sofort darüber im Klaren sein, ob es Fake oder Realität ist. Das mag ich so an der Kunst: Ich habe die Freiheit, Tatsachen zu verschach­teln und mit diesen Fragestellungen zu provo­zieren. Damit kann ich Situationen schaffen, in denen die Betrachter*innen umdenken müssen.