Auch heute bauen Architekten und Planer wieder mit Holz. Zum Beispiel in Norwegen: Anderthalb Autostunden nördlich von Oslo steht der Mjøstårnet. Der Turm ist mit 85,4 Metern Höhe nicht nur das derzeit höchste Holzhaus der Welt, sondern gilt auch als besonders nachhaltig, weil örtliche Unternehmen es mit lokalen Ressourcen aus nachwachsenden Materialien errichtet haben. „Der Mjøstårnet zeigt, dass wir hohe Gebäude in Holz errichten können, deren nachhaltiger Baustoff wenig CO2 während der Produktion emittiert“, sagt der Architekt und Umweltberater Bård S. Solem, der den Turm mitplante.
Der Klimawandel und die Urbanisierung sorgen dafür, dass Gebäude künftig mit weniger mineralischen Baustoffen gebaut werden müssen – denn bei der Erzeugung einer Tonne Zement entstehen 590 Kilogramm CO2. „Verbautes Holz speichert Kohlenstoff vorübergehend. Er wird erst freigesetzt, wenn das entsprechende Bauteil entsorgt und verbrannt wird“, sagt Prof. Dr. Annette Hafner von der Ruhr-Universität Bochum. „Je länger Holz stofflich genutzt ist, desto länger kann es also als Speicher dienen.“
Bei einem neuen Ein- und Zweifamilienhaus beträgt die Speicherwirkung zwischen 77 und 207 Kilogramm CO2 pro Quadratmeter Bruttogrundfläche, bei einem Mehrfamilienhaus zwischen 18 und 178 Kilogramm. Würden in Deutschland so viele Häuser als Holzbau neu errichtet wie in Schweden, ließen sich bis 2030 fast zwölf Millionen Tonnen CO2 einsparen.