by inBewohnen on10. Februar 2017 Kommentare deaktiviert für Von Vielfalt profitieren, statt Differenzen betonen

Von Vielfalt profitieren, statt Differenzen betonen

Öffentliche und private Wohnungsunternehmen verbindet mehr, als man denkt, erklärt Stefanie Frensch, Geschäftsführerin der landeseigenen HOWOGE in Berlin

Illustration: Carlo Giovani

Auf den ersten oberflächlichen Blick scheinen Welten zwischen privaten und öffentlichen Wohnungsunternehmen zu liegen: Die einen sind renditeorientiert wirtschaftende Unternehmen, die anderen erfüllen einen kommunalen Versorgungsauftrag. Aber schon auf den zweiten Blick treten die Gemeinsamkeiten zwischen den Unternehmensformen, nicht die Differenzen hervor. Einerseits betonen wir öffentlichen Unternehmen die Berücksichtigung sozialer und gesellschaftlicher Belange in der Regel stärker als die Rendite der Unternehmen. Aber um diese Belange langfristig zu erfüllen, wollen und müssen wir wirtschaftlich agieren. Das schulden wir unseren Eigentümern, den Städten
 und Gemeinden, und den Bürgern. Und wir schulden nicht zuletzt unseren Mietern einen verantwortungsvollen, effizienten Umgang mit ihren Mitteln.
Auf der anderen Seite können es sich private Wohnungsunternehmen nicht lange leisten, ausschließlich kurzfristige Renditeziele zu verfolgen. Einige haben das in der Vergangenheit versucht, sparten drastisch am Personal und an der Instandhaltung ihrer Bestände. Die Folgen spürten sie bald in Form von Leerstand, erschwerter Vermietbarkeit und schlechtem Image. Aber hier ist ein Wandel sichtbar. Vor allem in börsennotierten Wohnungsunternehmen setzen institutionelle Kapitaleigner wie Staats- und Pensionsfonds auf langfristig stabile Erträge und eine entsprechende Bewirtschaftung. Wo private Wohnungsunternehmen und das Quartiersmanagement das umsetzen, beobachten wir das erfreut, denn es unterstützt auch die Stabilität unserer Bestände, dort wo wir Nachbarn sind.
Auch auf den Wohnungsmärkten und in den Städten stehen öffentliche wie private Unternehmen vor den gleichen Herausforderungen. In Deutschlands Metropolen ist der Druck auf die Innenstädte stark; hier droht soziale Entmischung oder findet diese bereits statt. Von uns allen ist hier eine Bewahrungs- und Integrationsleistung gefordert: Gesellschaftlicher Zerfall und Entfremdung zwischen Schichten und Gruppen ist kein nachhaltiges Sozialmodell – und angesichts drohender Spannungen und ihrer Kosten auch kein nachhaltiges Geschäftsmodell.
Hier stehen wir in der gemeinsamen Verantwortung, Raum für unterschiedlich Zahlungskräftige und für alle Alters- und Haushaltsgruppen zu bieten – in den Beständen, aber auch im Neubau. Das mag in der Planung und Bewirtschaftung manchmal schwieriger sein als homogene Quartiere für eine gleichartige Bewohnerschaft vorzuhalten oder zu schaffen. Es erspart aber vor allem die sozialen Kosten der Homogenität und der damit verbundenen gegenseitigen Abschottung. Und es macht krisenfest – wie jedes buntere, vielfältigere und damit anpassungsfähigere Angebot. Auch hier steht unternehmerischer Gewinn auf lange Sicht nicht im Widerspruch zum gesellschaftlichen Mehrwert, sondern setzt ihn voraus.

Auf den zunehmend engeren Märkten stehen öffentliche und private Unternehmen auch nur bedingt in der Konkurrenz um Kunden. Viel stärker sind wir in wachsenden Städten davon herausgefordert, unseren Versorgungsauftrag angesichts steigender Grundstücks- und Baupreise zu erfüllen. Darum suchen wir als kommunale Wohnungsunternehmen nach zeitgemäßen Lösungen 
im Neubau. Überall ermitteln und erproben wir Verbesserungspotenziale: im Planungs- und Bauprozess, in der Bauweise und Ausführung und nicht zuletzt bei den Grundrissen. Hohe Wohnqualität zu bezahlbaren Preisen auf begrenzter Fläche – das funktioniert mit klug geschnittenen, auch technisch adäquat ausgestatteten Wohnungen. Hier sollten und müssen Wohnungsunternehmen nicht wie Industriekonzerne neue Modelle jahrelang in Geheimlabors entwickeln und testen, sondern ihr Know-how miteinander teilen und sich austauschen. Dazu sind wir öffentliche Unternehmen gern bereit.
Denn die Verbreitung guter Lösungen für angespannte Wohnungsmärkte sollte im Interesse aller Unternehmen sein. In unterschiedlichen unternehmensübergreifenden Arbeitsgruppen sind hier auch schon erste wichtige Schritte getan. Wo Übernachfrage besteht, kann man vielleicht kurzfristig sehr gut verdienen. Aber wie die Erfahrung zeigt, hat diese Strategie häufig nachfolgende Regulierungen zur Folge, welche die Unternehmen auf Dauer mehr kosten, als sie kurzfristig verdient haben.
Aber die Unterschiedlichkeiten gibt es natürlich auch. Getragen und gefordert
 von verschiedenen Eigentümern, haben wir bei aller Gemeinsamkeit in vielen Punkten doch immer wieder andere Zielvorstellungen, Gewichtungen und Strategien – und unterschiedliche Potenziale, diese umzusetzen. Das ist eine fruchtbare Konkurrenz. Und Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft. Mieter, Städte und nicht zuletzt unsere Branche selbst profitieren von der unternehmerischen Vielfalt.

Stefanie Frensch

ist Geschäftsführerin der landeseigenen HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft mbH in Berlin, die mit einem Bestand von 58.900 Wohnungen zu den zehn größten Vermietern deutschlandweit gehört.

Illustration: Carlo Giovani

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