by inVerbessern on10. Februar 2017 Kommentare deaktiviert für „Universal Design“: Nicht nur für Senioren

„Universal Design“: Nicht nur für Senioren

Der Abbau von Barrieren im Haus nützt älteren und jüngeren Bewohnern. Einzelne Vermieter betreiben ihn im großen Stil

Illustration: André Gottschalk

In ganz Deutschland gibt es nur etwa 700.000 altersgerechte Wohnungen. Der Bedarf ist nach einer Studie der KfW-Bank weit größer: Rund zweieinhalb Millionen Senioren bräuchten eine altersgerechte Wohnung. Und da wir immer mehr Hochbetagte haben, wird der Bedarf bis zum Jahr 2030 um weitere eine Million Wohnungen steigen.

Herkömmliche Wohnungen haben für Ältere allzu viele Hemmnisse. Das beginnt mit Stufen vor der Haustür und setzt sich
 in Flur und Treppenhaus fort. Selbst wo es Aufzüge gibt, sind oft Höhenunterschiede 
zu Fuß zu bewältigen – und in manchen Häusern halten sie jeweils auf halber Treppe zwischen zwei Etagen. Nach einer Befragung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) müssen drei Viertel aller Senioren über 65 über Treppen ins Haus und in die Wohnung gehen. Nur jeder Zehnte genießt den Luxus eines Fahrstuhls oder einer anderen technischen Hilfe.

In der Wohnung geht es weiter: Türen sind oft schwer zu öffnen, Gänge sind schmal, Handläufe fehlen. Besonders kritisch ist das Bad. Verena Lihs vom Referat Wohnen und Gesellschaft des BBSR hebt hervor: „Die Ausstattungsqualität der Sanitäranlagen ist ein zentrales Kriterium für eine selbstständige Lebensführung im Alter.“ Das Hauptproblem: „Zu geringe Bewegungsflächen und zu schmale Badezimmertüren können die altersgerechte Nutzung beeinträchtigen – vor allem dann, wenn Menschen auf Gehhilfen wie Gehstock, Rollator und/oder Rollstuhl angewiesen sind. Ebenso schränken zu hohe Schwellen zur Dusche oder das ausschließliche Vorhandensein einer Badewanne die Nutzung im Alter erheblich ein und erhöhen die Sturzgefahr.“

Treppen in der Wohnung sind vor
 allem in Einfamilienhäusern ein Problem. Geschosswohnungen haben häufiger ein Problem mit dem Freiraum. „Rund jeder zehnte Seniorenhaushalt verfügt weder über eine Terrasse noch einen Balkon“, hat Verena Lihs ermittelt. Und wo es ihn gibt, erschweren oft hohe Schwellen und bei Regen rutschige Böden die Benutzung.

All das ist nicht nur ein Problem für die wachsende Zahl von Senioren. Es gibt viele Lebenslagen, in denen Barrieren hemmen: das Leben mit Babys, Verletzungen, Krankheiten, körperlichen Einschränkungen – oder für jedermann das Heimkommen mit schwerem Gepäck vom Einkauf oder aus dem Urlaub. Der Abbau von Barrieren in Architektur und Umweltgestaltung kann das Leben für alle erleichtern. Der inzwischen gängige Fachbegriff dafür lautet „Universal Design“.

Dazu muss man nicht gleich jede Wohnung rollstuhlgerecht oder zum Wohnen für Demente umbauen. Im Gegenteil: Damit ein rüstiger Senior mehrere Jahre zusätzlich in der angestammten Wohnung verbringen kann, reichen oft ein paar minimalinvasive Eingriffe an Stufen, Schwellen und Armaturen. Davon haben auch Vermieter etwas: Sie behalten langjährige, treue Bewohner und schaffen Angebote auf einem wachsenden Markt.

Deshalb hat Deutschlands größte Wohnungsanbieterin Vonovia Sanierungsprogramme aufgelegt. Etwa in Dortmund: Dort feierte das Unternehmen im August
 die Übergabe der tausendsten seniorengerechten Wohnung. Umgebaut wird entweder, wenn Bewohner dies wünschen. Oder dann, wenn eine Wohnung gerade leer steht und für den Barrieren-Abbau gutes Potenzial bietet. Dann werden ebenerdige Duschen und rutschhemmende Bodenbeläge eingebaut. Wenn der Raum es erlaubt, kommen ein unterfahrbarer Waschtisch dazu, ein erhöhtes WC und breite Türen, die sich nach außen öffnen. Rund 13 Millionen Euro 
hat Vonovia allein in Dortmund
 hierin investiert.

Wie sehr dies Mieterwünschen entspricht, zeigt eine von Vonovia beauftragte Umfrage von TNS Emnid. 75 Prozent der Befragten waren danach bereit, ihre Wohnung bei Bedarf alters- oder behindertengerecht umzubauen. Es gibt aber deutliche Unterschiede je nach Lebenslage: Menschen über 50 sind naturgemäß geneigter dazu; Paare und Familien sind für das Thema offener als Singles. Denn in den größeren Haushalten haben mehr Menschen etwas davon.

»Die Ausstattungsqualität der Sanitäranlagen ist ein zentrales Kriterium für eine selbstständige Lebensführung im Alter«

Verena Lihs vom Referat Wohnen und Gesellschaft der BBSR
Jetzt Artikel teilen!
Share on FacebookGoogle+Tweet about this on TwitterEmail to someone