by inStädte & Quartiere on10. Mai 2019 Kommentare deaktiviert für Reden hilft

Reden hilft

Zuhören, Lösungen finden, vermitteln: Zu Besuch bei einem der ersten neuen Quartiermanager bei Vonovia

Foto: Marcus Simaitis

Sommer 2018. Dariusch Kaviani hat seinen Job noch nicht begonnen, und trotzdem stehen die Chancen schon gegen ihn. In einem seiner Viertel, dem Bahnhof Tierpark, haben sich verärgerte Mieter zusammengeschlossen und 60 Einwände gegen die geplanten Modernisierungen eingereicht. Bei 270 Wohnungen keine gute Quote. Abzocke vermuten die Bewohner. Langsam in die Arbeit hineinwachsen – dafür hat Kaviani keine Zeit. Er, der neue Quartiermanager, muss sofort ran. 

Frühjahr 2019. Kaviani trägt Jeans, Pullunder und Schlips und sitzt in Dortmund-Hombruch in seinem temporären Büro, eine sanierte Wohnung im ersten Stock. Die Arbeiten im Tierpark-Quartier sind noch nicht abgeschlossen. Handwerker laufen herum, vor den eingerüsteten Backsteinhäusern stehen angelieferte Fenster und Türen auf Paletten. Davon abgesehen ist es ruhig geworden. Fast alle Einwände hat er klären und einvernehmlich lösen können, wie er sagt. Was keine Selbstverständlichkeit ist. „Eine energetische Modernisierung, bei der neue Heizungen eingebaut werden, ist für Mieter gerade im Herbst ein harter Eingriff. Da wird es kalt, laut und schmutzig.“

»Man muss immer wieder die Nähe suchen und sich anhören, welche Sorgen und Fragen die Menschen haben«

Dariusch Kaviani, Quartiermanager

Aus alt mach neu: Nach Modernisierungen wie hier in Dortmund-Hombruch im Süden der Stadt fragen sich viele Mieter, ob sie sich ihre Wohnungen noch leisten können.  Quartiermanager ­Dariusch ­Kaviani nimmt diese Ängste und findet Lösungen für die Probleme

Foto: Photography/Vonovia

Zuhören, vermitteln, vor Ort präsent sein, Lösungen suchen, ohne die Interessen seines Arbeitgebers zu vernachlässigen – das ist die Aufgabe des 52-Jährigen. Eingestellt hat ihn das Unternehmen, um besser auf die Fragen und Anliegen der Bewohner eingehen zu können. Hinzu kommt, dass die gesellschaftliche Akzeptanz für Modernisierungen „dramatisch zurückgegangen“ ist, wie Vonovia Chef Rolf Buch sagt. Außerdem waren die Umbauten in der Vergangenheit nicht immer ideal vorbereitet. Ankündigungen von bis zu 40 Seiten Länge wurden an die Mieter verschickt – „das war teilweise auch für mich nicht lesbar“, so Buch. Quartiermanager, die deutschlandweit bei größeren Modernisierungsprojekten im Einsatz sind, sollen deshalb technischen Sachverstand und Empathie mitbringen.

Kaviani, ein Münsteraner mit abgeschlossenem Hochschulstudium als Diplomkaufmann, ist schon lange in der Wohnungswirtschaft tätig. Er arbeitete als Immobilienökonom, war in Herne Gebäudemanager und leitete im westfälischen Hamminkeln den Gemeinschaftsbetrieb.

Im Dortmunder Süden liegen 10.000 Wohnungen in seiner Verantwortung. Etwa 15 Bauvorhaben und Modernisierungen stehen bis Ende 2020 für ihn an. Dass es zu Problemen und Beschwerden kommt, liege für ihn in der Natur der Sache. Je größer ein Projekt, desto erklärungsbedürftiger ist es, und das führt zwangsläufig zu Fragen und Widerständen. Weil die Mieter aufgeklärt, gehört und mitgenommen werden wollen, wie ­Kaviani es ausdrückt – und weil sie sich Sorgen machen. Kann ich mir meine Wohnung später noch leisten? Das ist die am häufigsten gestellte Frage.

Gerade in Vierteln wie dem Bahnhof Tierpark. Die Siedlung wurde Anfang der 1970er-Jahre gebaut, viele Menschen sind mit den Häusern alt geworden. „Ihnen ist nicht geholfen, wenn man sie bei Problemen an den telefonischen Kundenservice verweist“, sagt ­Dariusch ­Kaviani. „Sie brauchen Ansprechpartner vor Ort.“

Foto: Marcus Simaitis

Wenn Dariusch ­Kaviani über seinen Alltag spricht, betont er, wie wichtig es ist, auf Augenhöhe zu kommunizieren. Das sei in den letzten Jahren verloren gegangen, auch in der Wohnungswirtschaft. „Man muss immer die Nähe suchen und sich anhören, welche Sorgen die Menschen haben.“ In einer Beziehung auf Distanz bekomme man das nicht heraus. Deshalb überlegt er, nach Abschluss der Arbeiten im Tierpark-Quartier ein Fest zu veranstalten, als Dankeschön. So, sagt er, könne man sich zugleich besser kennenlernen und den Grundstein für die weitere Entwicklung des Viertels legen. Darin sieht er seine künftige Aufgabe.
Dass sein Start im vergangenen Herbst nicht ganz so ruhig verlief wie er es sich erwünscht hätte und eine große Zahl von Bewohnern ihm kritisch gegenüberstand, nimmt er sportlich. Gegen andere Meinungen hat er nichts. Wichtig ist es nur, dass man dann das Gespräch sucht. Das hilft, sagt er.

»Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Dass darf man nie vergessen«

Dariusch Kaviani, Quartiermanager