by inBewohnen on10. Februar 2017 Kommentare deaktiviert für Pracht und Platte – von Gegensätzen und Harmonie

Pracht und Platte – von Gegensätzen und Harmonie

Wie das historische und das moderne Dresden zu einem stimmigen Ganzen werden

Schwung in Laubegast:

In dem Elbvorort steht eine der schönsten 1920er-Jahre-Siedlungen der Stadt

Foto: Sven Döring

Jeder Dresden-Tourist spaziert über den Neumarkt zur Frauenkirche, promeniert am Fürstenzug vorbei zur Hofkirche, staunt ob der Pracht im Grünen Gewölbe, bewundert die Semperoper und geht in den Zwinger. Manche kommen nicht darüber hinaus. Ein Vorurteil lautet, die übrigen 99 Prozent von Dresden hätten mit der Barockpracht des Kerns nichts zu tun, sondern seien modern und langweilig.
Dem widerspricht Martina Pansa: „Der historische Stadtkern und das übrige Dresden sind absolut keine getrennten Welten“, sagt die gebürtige Dresdnerin und Geschäftsführerin der Region Südost bei Vonovia. „Es gibt viele Orte mit Flair, die einen Spaziergang wert sind. Und für die Stadtviertel außerhalb des Kerns gilt das Gleiche wie für das Zentrum: Dresden wird immer lebenswerter.“ Vonovia ist Dresdens größte private Grundeigentümerin. Sie besitzt und vermietet 38.000 Wohnungen – fast jede achte in der Stadt.

Barock in der Neustadt

Dem Dresden-Besucher empfiehlt Martina Pansa, vom zentralen Schlossplatz aus die Elbe auf der Augustusbrücke zu überqueren. Am anderen Ufer liegt die Neustadt, aber zum großen Teil heißt sie nur so. Am Neustädter Markt glänzt das Denkmal des Goldenen Reiters, bald dahinter liegt das Barockviertel – gebaut nach einem Stadtbrand in den Jahrzehnten ab 1685 und noch heute in weiten Teilen original, trotz Industrialisierung und Bauboom, Bombenkrieg und Sozialismus. Hier genießen Dresdner und Besucher die Kunsthandwerker-Passagen und das Kügelgenhaus-Museum, kaufen Plauener Spitzen, Schwibbögen bei Kunst & Handwerk Richter oder Adam-und-Eva-Tassen in der Galerie für erotische Porzellanmalerei.
Martina Pansa sieht all das gern, aber noch mehr als der Zustand interessiert
 sie der Verbesserungsbedarf. „Westlich
 vom Markt wurde ein Teil des Blocks zu DDR-Zeiten ergänzt. Der muss jetzt saniert werden.“ Die Geschäfte in der Hauptstraße gilt es zu fördern, den Handels- und Kulturverein zu unterstützen und bei allem Stolz über das Barocke nicht den jüngeren Ostteil des Quartiers zu vergessen.
Wie kommt ein Unternehmen wie Vonovia zu barocken Häusern und zentralen Geschäftsbauten? Sie gehörten der städtischen Woba, diese ging an die Gagfah in Essen und diese später in der Vonovia auf. Nach vielen Turbulenzen freut sich Martina Pansa jetzt: „Seit wir bei Vonovia sind, können wir endlich wieder in die Zukunft gucken.“

38.000

Wohnungen besitzt Vonovia in Dresden
– fast jede achte in der Stadt

„Der historische Stadtkern und das übrige Dresden sind keine getrennten Welten"

Martina Pasen, Geschäftsführeron Region Ost bei der Vonovia

Neue Akzente nahe der City

Auch in Gegenden, die sie noch aus ihrer Kindheit erinnert. „An der Grunaer Straße habe ich immer noch die riesigen freien Flächen vor Augen“ – Folgen des Bombenkriegs. Rund zehn Jahre danach entstanden hier Wohnhäuser, deren Stil ein Fachlexikon als „sozialistischen Klassizismus mit Anklängen an den Dresdner Barock“ einordnet. Auch sie stehen längst unter Denkmalschutz. Für Dresden-Touristen
 mit Interesse an der jüngeren Baugeschichte sind sie den 500-Meter-Abstecher aus der Altstadt wert. Die Häuser erhielten rustikale Sockel aus Elbsandstein, Schmuckrahmen um die Wohnungstüren, repräsentative Balkon-Austritte darüber und gemütliche Satteldächer. Und zwischen ihnen ließ man viel, viel Platz. Das entsprach dem damaligen Städtebau-Ideal von Licht, Luft und Sonne. Boden gab es in der zerstörten Stadt reichlich und kostete das Staatsunternehmen oft nichts. Bis zu 200 Meter beträgt der Abstand zwischen zwei Häusern; der größte Hof umfasst rund 15.000 Quadratmeter.

»Wo wir im Nachkriegsquartier neu bauen, setzen wir bewusst einen Kontrast. Das ist auch Denkmalschützern lieber«

Elsa Niekisch, Neubau-Referentin bei Vonovia in Dresden

Es gibt sie noch heute, aber sie sind nicht sehr stark genutzt: Es gibt Wäsche- und Teppichklopfstangen, Buschgruppen und Sandkisten, die in der mittlerweile seniorenreichen Gegend wenig besucht werden. Zugleich sind auch in dieser Stadt zentrale Wohnungen zunehmend gefragt. Der „Wohnmarktreport Deutschland 2016" von CBRE und Vonovia stellt für Dresden fest: „Angesichts der positiven Bevölkerungsentwicklung werden inzwischen vor allem Mietwohnungen knapp.“ Also denkt Vonovia an eine neue Generation Häuser auf den größten Rasenflächen. Sie sollen aber keineswegs den Nachkriegsbauten angepasst sein. „Wir wollen lieber einen Kontrast setzen“, sagt Neubau-Referentin Elsa Niekisch. „Es ist auch den Denkmalschützern lieber, wenn sich Alt und Neu klar unterscheiden.“ Eine erste Studie des Dresdner Architekten Jens-Heinrich Zander sieht in gebührendem Abstand zu den Denkmälern fünfeckige Häuser vor, mit Zwei- bis Vierzimmerwohnungen für Singles, Paare und Familien. Kommt es dazu, hätten Architekturfreunde noch einen Grund mehr für den Besuch der Gegend.

Idyllisch in Laubegast

Haben Sie mehr Zeit, dann reisen Sie sieben Kilometer elbtalaufwärts bis in den kleinstädtisch-ländlichen Vorort Laubegast. Dort entstand 1929 bis 1932 die idyllische Siedlung „Laubegaster Höfe“ im Stil der Zeit – mit einem kreisförmigen Ensemble um den zentralen Kirchplatz, schönen Klinkersockeln, feinen Fensterstreifen vor den Treppenhäusern und Satteldächern über den teils nur drei Wohnetagen. Auch dies ist Vonovia Terrain – inzwischen gründlich saniert, mit neuen Balkons und teils veränderten Grundrissen versehen, dazu mit Ökologischem wie Solarkollektoren, Regenwasserspeichern und einem Gründach auf dem neuen Parkdeck. Für all das gab es nach der Modernisierung einen bundesweiten Bauherrenpreis.
Als ihr früheres Unternehmen noch Wohnungen verkaufen sollte, hätten sie und ihre Kollegen diese Perle „ein bisschen vor Interessenten versteckt“, gibt Martina Pansa augenzwinkernd zu. Heute muss sie die Höfe nicht mehr verstecken, sondern preist sie lebhaft an – zum Beispiel für einen kleinen Abstecher vom nahen Elberadweg.
Zugegeben: Es gibt auch Quartiere, die sie Idylle-Touristen nicht mehr empfehlen kann, aber umso mehr Experten, die in Dresden die Bewältigung von Herausforderungen der Wohnungswirtschaft studieren wollen. Geeignete Objekte dazu sind drei 17-geschossige Türme im Plattenbau-Stadtteil Prohlis, jeder mit 208 Einzimmerwohnungen. Für sie hat das Wohnungsamt Belegungsrechte und kann besonders bedürftige Mieter versorgen. Zeitweise nahmen Probleme mit Müll, Vandalismus, Lärm und Kriminalität überhand. Jetzt aber hat Vonovia für jedes Haus einen Concierge eingestellt – einen ständig präsenten Mieterbetreuer im Erdgeschoss, der seine Kundschaft kennt und bei Bedarf einschreitet, der ansprechbar ist, Pakete annimmt und im Alltag helfen kann. „Für die Bewohner ist das ein großer Fortschritt“, berichtet Pansa. „Diesen Service lassen wir uns gern etwas kosten, denn wir wollen, dass sich unsere Kunden bei uns zu Hause fühlen.“

Viele Stile:

Platte in Prohlis, Barock in der Neustadt und grüne 1920er-Jahre-Moderne in Laubegast: Die Vonovia Wohnungsbestände spiegeln Dresdens Vielfalt wider

Fotos: Sven Döring

In Harmonie mit der Stadt

Es geht auch sonst vieles. In anderen Häusern werden Fahrstuhlschächte extra aufgesägt und neue Lift-Eingänge geschaffen, damit Bewohner und Besucher stufenlos in den Aufzug kommen. Schwellen verschwinden auch in den Wohnungen; Armaturen in Bad und Küche werden seniorenfreundlich angebracht. Man kümmert sich um Bedürftige: „Wir haben über 700 Wohnungen an Flüchtlinge vermietet“, berichtet Pansa. „Dabei und auch bei vielen anderen Themen arbeiten wir bestens mit der Verwaltung zusammen. Zum Beispiel bei der Entwicklung am Fetscherplatz“ (siehe Kasten rechts). Die Stadt und ihr größtes Wohnungsunternehmen engagieren sich gemeinsam, damit Dresden nicht nur für Touristen, sondern auch für seine Bürger im Alltag immer schöner wird.

Urban und schwungvoll:

Nadine Aepfler mit ihrem preisgekrönten Entwurf für zwei Neubauten am Fetscherplatz

Fotos: Vonovia

Wundheilung

Ein Wettbewerb bringt Ideen für ein zerrissenes Areal

Der Fetscherplatz ist etwas Besonderes in Dresden. Er liegt genau zwischen den Nachkriegsvierteln der Johannstadt und den Stadtvillen von Striesen. Und er ist ein wichtiger Knotenpunkt für Straßenbahnen und Busse, an dem man sich beim Warten an prachtvollen Gründerzeitfassaden, Bäumen, kleinen Läden und Kiosken erfreut. Doch gleich westlich von hier herrschte bis zuletzt Tristesse: Zwei Plattenbauten standen da wie zufällig abgeworfen auf einer weiten Fläche. Anja Heckmann, Abteilungsleiterin Stadtplanung Innenstadt im Dresdner Rathaus, spricht von einer „städtebaulichen Fehlstelle“, Professor Carsten Lorenzen von der TU Dresden sogar von einer „offenen Wunde in der Stadt“. Das sieht auch Siegfried Berg so, Leiter Städtebau und Grundstücksmanagement der Vonovia: „Hier tut es gut, den Stadtgrundriss zu reparieren.“
Dazu taten sich die drei und ihre Institutionen zusammen und initiierten einen besonderen Wettbewerb: Architekturstudenten der TU sollten Ideen für ein neues Quartier entwickeln. „HolzStadtWohnen“ hieß das Motto, da Modul-Entwürfe gefordert waren. Jugendlich unbeschwert entwarfen die Studenten ring- und blockförmige, geschlossene und offene Strukturen. Es gewann Nadine Aepfler mit einem Entwurf für zwei geschwungene Blöcke, zwischen denen sich der Weg im Zentrum zu einem Quartiersplatz weitet. Anja Heckmann vom Planungsamt freut sich: „Diese Arbeit leistet einen großen Beitrag für die Stadtgesellschaft und die künftigen Bewohner.“ Siegfried Berg will „im Lichte der eingebrachten Ideen mit der Stadt diskutieren, wie wir weiter verfahren“. Bauen will Vonovia auf jeden Fall.

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