by inBewohnen on10. Februar 2017 Kommentare deaktiviert für Klein, aber mein – Anregung zum Raumsparen

Klein, aber mein – Anregung zum Raumsparen

Der Wunsch nach immer mehr Wohnfläche ist teuer. Zum Raumsparen gibt es viele Wege. Der beste ist der Drang in die großen Städte

Jeder Quadratmeter kostet

Und damit auch die Wohnkosten, denn die durchschnittliche Wohnfläche jedes Bürgers wächst stetig

Foto: Hero Images/Getty Images

Wir wohnen so geräumig wie nie. Rund einen halben Quadratmeter wächst im Durchschnitt die Wohnfläche jedes Bürgers im Jahr; Ende 2015 waren wir bei 46,2 Quadratmetern angelangt. Wohnlandschaften, Lofts
 oder geräumige Eigenheime machen viel Freude – aber auch zunehmend Probleme. Der halbe Quadratmeter pro Person wirkt gering. Doch er bedeutet, dass wir jedes Jahr so viel zusätzlichen Wohnraum brauchen, wie die Millionenstadt Köln hat. Und wenn wir diesen Raum nicht innerhalb der Städte schaffen, dünnen diese immer mehr aus, da hier immer weniger Menschen leben. Andere müssen in die Vorstädte ziehen, was längere Wege bedeutet und die Verkehrsbelastung verstärkt. Nicht zuletzt ist viel Fläche auch ein Problem für den, der sie bewohnt. Jeder Quadratmeter kostet Miete oder Kaufpreis, will erwärmt, geputzt und gepflegt sein. Zur Trendumkehr gibt es viele Ideen und Wege – drei davon stellen wir vor.

1

Familien und Wohngemeinschaften

Unser Wohnflächen-Zuwachs ist zum Gutteil nicht die Folge von Luxus und bewusster Vergrößerung, sondern von Individualisierung. Im deutschen Durchschnittshaushalt lebten vor einem Vierteljahrhundert noch 2,3 Menschen; heute sind es 1,9. Deshalb ist die Zahl der Haushalte von rund 35 auf 41 Millionen gestiegen. Es gibt weniger Familien und mehr Alleinlebende. Eine Trendumkehr würde viel Wohnraum frei machen – aber wie soll sie gehen? Zwang zur Groß- oder auch nur Kleinfamilie gibt es in Deutschland nicht. Für manche ist eine Wohngemeinschaft die unverbindlichere Variante. Die passende Unterkunft findet man oft leicht: Vier einzelne Berufstätige haben ein größeres gemeinsames Budget als Familien; viele Vermieter schätzen das. Trotzdem ist der Wohntyp nicht sehr verbreitet. Man braucht mehr Bereitschaft zur Einschränkung der Privatsphäre, zum Teilen und zu alltäglichen Kompromissen, als viele Menschen haben.

Weniger Familien …

… bedeuten auch, dass mehr Wohnraum vonnöten ist

Foto: Getty Images

2,3

Bewohner hatte ein deutscher Durchschnittshaushalt im Jahr 1991. Es gab mehr Familien als heute und zugleich weniger allein lebende Ältere und Jüngere

1,9

Menschen pro Haushalt sind es heute. Singles und Paare haben mehr Fläche als Familien. Das ist ein starker Treiber für den wachsenden Bedarf an Wohnraum

2

Wohngemeinschaft light: Cluster

„Clusterwohnen“ ist ein Modell mit Pionierprojekten in Zürich und Berlin. Es funktioniert ähnlich wie das Teambüro in der Arbeitswelt: Jeder hat seine privaten Rückzugsräume – eine kleine individuelle Wohnung mit Minibad und -küche, die im Züricher Projekt „Kalkbreite“ teils 27 Quadratmeter klein sind.

Aber alle Wohnungen gruppieren sich um Gemeinschaftsräume – den großen Koch- und Essplatz, den Abendraum mit Bücherregalen und Fernseher, die Spiel- und Tobediele für die Kinder. In Zürich gibt es
Kleingruppen mit neun bis zwölf Wohnungen. Aber es gibt auch eine Anhäufung von 50 Apartments, die sich einen genossenschaftlichen Luxus leisten: Was sie abends in ihrem zentralen Speisesaal verzehren, wird von der gemeinsam angestellten Köchin zubereitet.

Gemeinschaftliches Wohnen als neues Modell

In einigen Städten gibt es bereits derartige Pionierprojekte

Foto: sz photo

3

Städtisch leben

Nur in zweien der 16 deutschen Bundesländer haben die Menschen im Schnitt weniger als 40 Quadratmeter Wohnfläche pro Kopf
 zur Verfügung und das sind nicht zufällig die beiden Stadtstaaten und größten Kommunen Deutschlands, Berlin und Hamburg. Und das obwohl in Hamburg das Pro-Kopf-Einkommen das größte in Deutschland ist und Berlin in dieser Hinsicht im Mittelfeld liegt. Denn vor allem der Boden ist in den Großstädten exorbitant teurer, und folglich sind es auch die Wohnkosten. Man lebt aus ökonomischen Gründen enger, geht viel aus oder etabliert gar sein zweites oder zwölftes Wohnzimmer in einem netten Café. Deutschlands Urbanisierung, die Konzentration von mehr Menschen in den großen Ballungsräumen, dürfte das wirksamste Mittel sein, insgesamt Wohnfläche zu sparen. Ganz freiwillig und ohne dass man seine bevorzugte Wohnweise aufgeben müsste.
Jetzt Artikel teilen!
Share on FacebookGoogle+Tweet about this on TwitterEmail to someone