by inWirtschaft & Unternehmen on20. Juni 2018 Kommentare deaktiviert für Job-Boom beim Vermieter

Job-Boom beim Vermieter

Wer pro Jahr tausend Handwerker und Gärtner einstellen will, muss weiträumig suchen – und Beschäftigten gute Bedingungen bieten

Was tut man nicht alles, um Mitarbeiter zu finden. Julia Berger und ihr Recruiting-Team nutzen zum Beispiel Speeddatings, Onlinewerbung, Print-Anzeigen, Werbung an den Servicewagen der Mitarbeiter, und sie gehen zum Rekrutieren nach Rumänien und arbeiten mit Geflüchteten. „Möglichst viele Kanäle aufmachen“ ist ihre Devise.

Berger leitet die Abteilung Recruiting und Personalmanagement bei Vonovia. Sie und ihr Team suchen ununterbrochen Männer und Frauen: weit über tausend im Jahr. Das Unternehmen expandiert, baut und modernisiert in wachsendem Maße. Und vor allem integriert es Arbeiten im eigenen Haus, die früher an Dienstleister nach draußen gingen. „Tausend neue Mitarbeiter pro Jahr suchen wir allein im technisch-gewerblichen Bereich, für den technischen Service in den Häusern und im Wohnumfeld.“ Für diese Arbeiten hat Vonovia zwei Tochterfirmen gegründet, die in den letzten Jahren kräftig gewachsen sind. In den Häusern machen die Mitarbeiter kleine Reparaturen und setzen diese instand, sie modernisieren leere Wohnungen, sie dämmen und erneuern in Spezialteams die Fassaden oder tauschen Heizungsanlagen und Fenster aus. Andere pflegen rings um die Häuser Pflanzen, montieren oder warten Spielgeräte und Sitzgelegenheiten (mehr auf Seite 46).

Allerdings sind die Arbeitsmärkte für Handwerker in weiten Teilen Deutschlands eng umkämpft. „Elektro, Heizung, Lüftung, Sanitär und Fliesen, das sind unsere Mangelgewerke“, stellt Berger fest. In manchen Gegenden sind auch Hilfskräfte schwer zu finden: „Sie müssen zuverlässig sein, sie brauchen grundlegende Sprachkenntnisse, einen Führerschein und sollten handwerkliche Erfahrungen haben.“

»Wir sind absolut interessiert daran, gute Leute dauerhaft zu binden«

Julia Berger, Recruiting und Personalmanagement

Fach- und Hilfskräften bietet Vonovia andere Rahmenbedingungen, als das ein Kleinbetrieb kann. „Wir sind absolut interessiert daran, gute Leute dauerhaft zu binden“, stellt Julia Berger fest und zählt die Vorzüge des Großarbeitgebers auf: „Wir haben eine sichere Auftragslage durch das Arbeiten im eigenen Bestand und nicht das Risiko eines Kleinunternehmens. Bei uns muss man nicht auf seine Gehaltszahlung warten, es gibt eine Zeiterfassung und einen Betriebsrat. Unsere Logistik liefert beispielsweise benötigte Materialien über Nacht direkt in die Servicewagen unserer  Handwerker oder betankt sie. Außerdem bekommen unsere Mitarbeiter die besten und modernsten Werkzeuge und Geräte – einschließlich iPads, auf denen zum Beispiel die Arbeit erfasst und dokumentiert wird.“

Für Arbeiten, die keinen deutschen Berufsabschluss und anfangs keine größeren Sprachkenntnisse verlangen, sucht Vonovia auch Mitarbeiter mit Potenzial aus anderen Ländern – es geht vor allem um geflüchtete Menschen und Menschen aus den EU-Ländern Rumänien und Polen, wo viele offen für eine Arbeit in Deutschland sind. Das klingt nach Wiederholung der Gastarbeiter-Kampagnen vor rund 50 Jahren. Aber es gibt große Unterschiede: Wer heute kommt, soll möglichst nicht nach ein paar Jahren wieder gehen. Integration soll ihn halten – sprachliche, kulturelle und ökonomische.

Und die Suchmethoden sind heute viel feiner. Unterstützt durch einen rumänischen Personaldienstleister werden Bewerberinterviews via Webcam zwischen Bochum und Hermannstadt in Rumänien geführt. Julia Berger: „Es gibt dort – nicht anders als in Deutschland – Kombi-Ausbildungen, wie zum Beispiel Maler, Maurer und Fliesenleger.“ Solche Mitarbeiter sind für Arbeiten im Haus flexibel einsetzbar. „Viele haben auch schon im Ausland gearbeitet und sind offen für die Arbeit an einem unserer bundesweiten Standorte“, hat Julia Berger erfahren. „Für uns sind solche Erfahrungen interessant, aber noch mehr sind es die Fachkenntnisse.“

3000

Mitarbeiter hatte allein die Handwerkerorganisation vier Jahre nach ihrer Gründung.

400

Gärtner wurden von 2016 bis 2017 neu eingestellt. Der Wohnumfeld Service bei Vonovia ist das jüngste Wachstumsfeld.

Sprachkurse inbegriffen
Etwas anderes ist es, wenn in Deutschland lebende Flüchtlinge bei Vonovia tätig werden möchten. Sie finden auf Bewerbertagen, die in Kooperation mit Arbeitsagenturen durchgeführt werden, zum Unternehmen. Nach einem 14-tägigen Praktikum werden die Kandidaten bei Eignung und Interesse direkt als Helfer eingestellt. Zudem besteht bei Vonovia auch die Möglichkeit, eine Ausbildung zu machen.

Für die rumänischen Mitarbeiter steht am Anfang ein vierwöchiger Sprachkurs; bei Flüchtlingen ist das ohnehin ein Thema, denn hier gibt es in Absprache mit den Arbeitsagenturen und Integrationscentern ebensolche Angebote. „Eine Sprache erlernt man vor allem im Alltag, im Umgang mit Kollegen“, hat Berger beobachtet. „Durch gemischte Teams wachsen die Sprachkenntnisse ganz von selbst.“ Wichtig für selbstständiges Arbeiten ist auch ein Führerschein; Vonovia ermuntert zu Fahrstunden, die häufig auch öffentlich gefördert werden.